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Ungeduldig? Wie und warum du Geduld üben solltest

Dieser Beitrag wurde ursprünglich von Toni Bernhard auf ihrem Blog bei Psychology Today veröffentlicht. Ich habe ihn mit freundlicher Genehmigung der Autorin aus dem Englischen übersetzt. Link zum Originaltext: Impatient? Why and How to Practice Patience

Im Anschluss an Tonis Beitrag findest du noch einige Gedanken von mir zum Thema innere Unruhe und (Un)Geduld.

Ungeduldig? Wie und warum du Geduld üben solltest

In stressigen Zeiten geduldig zu sein, fördert deine Gemütsruhe, anstelle von Groll.

Was ist Geduld? Ich möchte gern mit der Wörterbuchdefinition beginnen: „Geduld: Die Fähigkeit, Verzögerungen, Schwierigkeiten oder Störungen zu tolerieren oder zu akzeptieren, ohne wütend zu werden oder sich aufzuregen“.

Ich kenne niemanden, dessen Leben frei von diesen drei Dingen ist. Tatsächlich kann ich mich nicht an einen einzigen Tag in meinem Leben erinnern, wo nicht zumindest eines davon aufgetaucht ist.

Viele Jahre lang war es meine Reaktion auf eine dieser drei Dinge, wütend zu werden – oder mich zumindest aufzuregen. Dann realisierte ich, dass diese Reaktion nur dazu führte, eine bereits stressige und unangenehme Situation noch schwieriger zu machen.

Also begann ich eine bewusste Anstrengung zu unternehmen, um anders auf „Verzögerungen, Schwierigkeiten oder Störungen“ zu reagieren. Manchmal war das Beste, was ich tun konnte, ihre Anwesenheit zu tolerieren. Aber ich blieb dran, und, mit mehr Übung wurde ich besser darin, sie mit offenem Herzen als einen unvermeidbaren Teil des Lebens zu akzeptieren

Wenn mir dies gelang – Verzögerungen, Schwierigkeiten oder Störungen zu tolerieren oder manchmal sogar zu akzeptieren – bemerkte ich zwei Dinge. Erstens: Geduldig zu sein ist eine Möglichkeit, mich selbst mitfühlend zu behandeln.

Mitgefühl bedeutet, sich denjenigen zuzuwenden, die leiden – inklusive uns selbst. Ich leide definitiv, wenn ich ungeduldig bin, denn mangelnde Geduld ist eine Stressreaktion auf etwas, das gerade in meinem Leben passiert. Ich kann den Stress in meiner Seele und in meinem Körper fühlen.

Deswegen ist Geduld einzuüben eine Weg, gut für mich selbst zu sorgen, was das Wesentliche des Selbstmitgefühls ausmacht.

Zweitens bemerkte ich, dass geduldig zu sein zu einem Gefühl von Gelassenheit führte – eine Gemütsruhe, die es leichter macht, mit den Aufs und Abs des Lebens umzugehen, ohne wie ein Schiff im Sturm davon herumgeschleudert zu werden.

Den Zusammenhang zwischen Geduld, verstärktem Selbstmitgefühl und Gelassenheit zu erkennen, überzeugte mich davon, wie wertvoll diese Übung ist. Ich dachte mir „Hm. Weniger Leid und Stress, verbunden mit mehr friedlicher Akzeptanz des Lebens… hört sich gut an.“

Im Folgenden beschreibe ich, auf welche Weise du das Üben der Geduld meiner Empfehlung nach angehen solltest. (Anmerkung: Dies ist eine Vorgehensweise, um Gedanken und Emotionen zu transformieren, auf die ich genauer in meinen Büchern eingehe: How to Wake Up: A Buddhist-Inspired Guide to Navigating Joy and Sorrow and How to Live Well with Chronic Pain and Illness: A Mindful Guide)

1. Erkenne an, dass Ungeduld in dir entstanden ist.

Dies ist anfangs vielleicht nicht einfach. Wenn sich die Dinge nicht in unserem Sinne entwickeln (wenn wir zum Beispiel im Stau feststecken), neigen wir dazu, zu denken, dass sich die Quelle unserer Ungeduld außerhalb von uns befindet – was „da draußen“ passiert. Aber natürlich liegt der eigentliche Grund darin, was in unserem Kopf vorgeht – also in unserer Reaktion auf egal welche Situation, mit der wir gerade konfrontiert sind.

Also nimm dir erst mal vor, nach auftauchender Ungeduld in deinen Gedanken als Reaktion darauf, nicht zu bekommen was du willst, Ausschau zu halten.

Vielleicht kennst du schon einige deiner Auslöser: Lange in einer Warteschleife zu stecken, in einer langen Schlange zu stehen, mit einem Computerproblem zu kämpfen, lange im Wartezimmer sitzen zu müssen, jemandem bei scheinbar endlosen Ausführungen zuhören zu müssen um etwas einfaches zu erklären (dies ist einer meiner Charakterzüge, der die Geduld meiner eigenen Familie auf die Probe stellt!).

Erkenne, wie Ungeduld auftaucht wenn wir nicht bekommen was wir wollen – insbesondere wenn Menschen oder unsere Umwelt nicht unseren Erwartungen entsprechen, sogar in Situationen, über die wir keine Kontrolle haben (zum Beispiel der Verkehrsfluss oder die Länge einer Warteschlange).

Unsere Erwartungen stimmen oft nicht mit der Realität überein. Mir fallen vier Möglichkeiten ein, auf die das zutrifft, und alle vier können Ungeduld auslösen.

Erstens neigen wir dazu zu erwarten, dass die Umwelt unsere Erwartungen erfüllt: Keine Staus, kein Mangel an Parkplätzen an unserem Zielort, keine langen Warteschlangen, keine Verzögerungen am Flughafen, kein zu langes Warten auf das Essen in einem Restaurant.

Zweitens neigen wir dazu, von Menschen zu erwarten, unsere Erwartungen zu erfüllen. Wir wollen dass sie sich so verhalten, wie wir meinen, dass sie es sollten. „Diese Frau vor mir in der Warteschlange sollte keinen Smalltalk mit dem Kassierer führen.“ „Wenn er gesagt hat, dass er um 15 Uhr anruft, sollte er auch um 15 Uhr anrufen.“

Sogar wenn wir „recht haben“ (schließlich ist es höflich, zu der Zeit anzurufen zu der du es versprochen hast), bleibt es eine Tatsache, dass sich Menschen selten an unsere Erwartungen halten.

Drittens sind unsere Erwartungen oft unrealistisch wenn es darum geht, neue Fähigkeiten zu erlernen. Ob es eine neue handwerkliche Fähigkeit,ein neues Computerprogramm, oder eine neue Do-it-yourself Reparaturfähigkeit ist – wir denken wir sollten in der Lage sein, neue Fähigkeiten schnell zu erlernen, egal wie ungewohnt oder schwierig sie für uns sind.

Viertens sind unsere Erwartungen fast immer unrealistisch, wenn es darum geht, was in unseren Gedanken passiert. Wir denken, wir sollten in der Lage sein zu kontrollieren, welche Gedanken und Gefühle erscheinen. Aber unwillkommene Gedanken und Gefühle tauchen die ganze Zeit auf.

Es liegt in der Natur unseres Geistes, zu denken und zu fühlen; meiner Erfahrung nach können wir das nicht unterbrechen. Ungeduldig zu sein stoppt das ganz sicher nicht.

Denke über diese vier Kategorien von Erwartungen nach, und schau, ob du festlegen kannst, bei welchen zu dazu neigst, in deinem Leben unrealistisch zu sein. Nur dies kann dir helfen zu erkennen, wenn du mit Ungeduld reagierst.

2. Untersuche, wie sich die Ungeduld in deinem Körper und deiner Seele anfühlt.

Dir selbst zu erlauben, die Ungeduld wirklich zu fühlen, ist ein großer Schritt hin zur Akzeptanz ihrer Anwesenheit.

Dies ist wichtig, da ich, meiner Erfahrung nach, nicht damit anfangen kann, einen anstrengenden seelischen Zustand zu transformieren, bevor ich nicht akzeptiere, dass ich darin gefangen bin. Also, arbeite daran, dich gut damit bekannt zu machen, wie sich Ungeduld anfühlt.

Sind deine Gedanken ruhig oder aufgeregt? Ist dein Körper entspannt oder angespannt? Bisher habe ich die Ungeduld noch nie als etwas Angenehmes für meinen Körper oder meine Seele erfahren. Und die Erkenntnis, dass es sich unangenehm anfühlt, unterstützt meine Motivation, meine Reaktion auf „Verzögerungen, Schwierigkeiten oder Störungen“ – unsere drei Freunde von der Wörterbuchdefinition – zu verändern.

3. Beginne, Ungeduld in Geduld zu verwandeln.

Dies braucht Übung – geduldiges üben. Und, da Geduld eine Art von Selbstmitgefühl ist, hoffe ich, dass du deiner zeitweisen Unfähigkeit, geduldig zu sein, mit Mitgefühl begegnest. Hier sind jedenfalls einige Strategien, die dabei helfen sollen, Ungeduld in Geduld umzuwandeln.

Lasst uns mit den Momenten beginnen, in denen die Umwelt oder die Menschen nicht deinen Erwartungen entsprechen: Zum Beispiel, wenn du im Stau stehst oder wenn du hinter einer Person in der Schlange steht, die mit dem Kassierer plaudert.

Erstens, erkenne, dass du ungeduldig reagierst.

Zweitens, richte deine Aufmerksamkeit darauf, wie sich das in deiner Seele und in deinem Körper anfühlt. Frage dich dann: „Gibt es irgendetwas, das ich tun kann, um die Situation zu verändern, ohne dass sie für mich oder andere schlimmer wird?“ Wenn die Antwort „nein“ lautet (was fast immer der Fall ist), dann schau, ob du an der Situation „etwas Gutes“ finden kannst. Damit meine ich: Beginne damit, dich auf etwas Angenehmes oder Interessantes zu konzentrieren, während du wartest.

Dies ist eine Achtsamkeitsübung, das bedeutet, du triffst eine bewusste Entscheidung – unterstützt durch deine Bemühungen – auf alles zu achten, was im Bereich deiner Wahrnehmung liegt.

Wenn ich fühle, dass Ungeduld entsteht, kann ich fast immer etwas im aktuellen Moment finden, das meine Neugierde oder mein Interesse weckt. Dies erlaubt mir, nicht mit „Ärger“ oder „Aufregung“ sondern anstatt dessen mit Geduld auf das, was gerade passiert, zu reagieren.

Im Stau kann das bedeuten, die verschiedenen Ausführungen, Modelle und Baujahre der Autos auf der Straße zu betrachten, es könnte bedeuten, ein Gespräch mit einer Person im Auto zu beginnen, es kann bedeuten einen Radiosender zu finden.

Wenn ich mich an der Kasse in der Warteschlange befinde, könnte es bedeuten, amüsiert die lächerlichen Überschriften auf diesen sensationsgierigen Zeitschriften zu lesen, die in den Ständern an der Kasse liegen, es könnte bedeuten, die Menschen um mich herum zu betrachten – zu sehen, wie unterschiedlich alle aussehen und dass jeder eine einzigartige Lebensgeschichte hat, worüber ich nichts weiß. Es könnte sogar bedeuten, dem Inhalt des Gesprächs, das mich da gerade aufhält, zu lauschen.

Tatsächlich versuche ich eine wohlwollende Haltung gegenüber solchen plaudernden Menschen zu entwickeln – mich daran zu freuen, wie sie ihre Gesellschaft genießen. Was sind am Ende schon ein oder zwei weitere Minuten Schlangestehen? Wenn du, wie ich, Schwierigkeiten hast, zu lange zu stehen, kannst du nach etwas Ausschau halten wo du dich anlehnen kannst oder deine Füße weiter auseinander stellen, um besser die Balance halten zu können. Manchmal bringe ich mir auch einen Stock mit.

Ich will darauf hinauf, dass deine erste Wahl natürlich ein „kein Stau auf der Autobahn“-Gesetz und eine „kein Smalltalk an der Kasse“-Verordnung wäre – aber meistens bekommen wir im Leben nicht unsere erste Wahl.

Wenn dies geschieht, wenn die Alternativen sind, sich entweder aufzuregen und wütend zu werden, oder aber einen Weg zu finden um die Erfahrung in etwas Angenehmes oder zumindest Tolerierbares zu verwandeln, weiß ich, was sich für mich besser anfühlt.

Dann gibt es noch die unrealistischen Erwartungen, wie schnell wir neue Fähigkeiten erlernen. Diese Erwartung kommt teilweise durch unsere kulturelle Prägung immer alles „schnell schnell schnell“ zu machen, egal was wir tun. Wenn wir aber geduldiger und langsamer vorgehen, werden wir uns nicht nur wohler fühlen, sondern wahrscheinlich auch die entsprechende Fähigkeit besser erlernen.

Zuletzt zu den unrealistischen Erwartungen, dass wir in der Lage sein sollten, unsere Gedanken zu kontrollieren. Können wir, anstatt ungeduldig (aufgeregt oder wütend) über die Dinge zu werden, die in unseren Gedanken auftauchen, daran arbeiten unwillkommene Gedanken und Gefühle etwas lockerer zu betrachten – manchmal vielleicht sogar mit Humor, über den Verstand, der sich nicht an unsere Regeln hält?

Dies zu tun, ist eine mitfühlende Reaktion auf das, was in unseren Gedanken auftaucht. In meinem neuen Buch, How to Wake Up, zitiere ich einen Ausschnitt aus einem der ersten buddhistischen Büchern, die ich je gelesen habe, Mindfulness in Plain English von Bhante Gunaratana. Er sagt über den Verstand:

„(Manchmal) wirst du mit der plötzlichen und schockierenden Erkenntnis konfrontiert werden, dass du völlig verrückt bist. Dein Verstand ist ein kreischendes, Kauderwelsch stammelndes Irrenhaus auf Rädern, das chaotisch den Abhang herunterrollt, völlig außer Kontrolle und hoffnungslos.

Kein Problem.“

Ich liebe dieses Zitat aus zwei Gründen. Erstens, ich finde es beruhigend zu wissen dass ich nicht die Einzige mit einen kreischenden, stammelnden Irrenhaus als Verstand bin. Zweitens sagt Bhante: „kein Problem“. Ich verstehe „kein Problem“ so, dass ich lernen kann, mit diesem „irren“ Verstand geduldig zu sein. Ich kann lernen, nicht wütend und aufgeregt zu reagieren, wenn unerwünschte Gedanken und Gefühle auftauchen, sondern anstatt dessen ruhig ihre Anwesenheit zu akzeptieren, im Bewusstsein darüber, dass mir mit der Zeit das universelle Gesetz der Unbeständigkeit aus der Klemme helfen wird. Die Umstände werden sich ändern… und so wird es auch mein Verstand.

Wir können Ungeduld in Geduld verwandeln. Es ist die Anstrengung wert, denn geduldig zu sein ist eine Möglichkeit, uns selbst mit Mitgefühl zu begegnen, und es hilft uns auch dabei, die Dinge wie sie sind ruhig und gefasst zu akzeptieren… und das fühlt sich immer gut an.

© 2013 Toni Bernhard.

Toni Bernhard ist die Autorin von drei preisgekrönten Büchern: How to Be Sick: A Buddhist-Inspired Guide for the Chronically Ill and Their Caregivers (jetzt in einer überarbeiteten und aktualisierten Version erhältlich), How to Wake Up: A Buddhist-Inspired Guide to Navigating Joy and Sorrow, und How to Live Well with Chronic Pain and Illness: A Mindful Guide. Bevor sie krank wurde, war sie Jura-Professorin und Studiendekanin an der University of California in Davis. Ihr beliebter Blog  “Turning Straw Into Gold” wird von Psychology Today online veröffentlicht. Besuche ihre Website unter www.tonibernhard.com.

Elisa: Innere Unruhe und Ungeduld

Tonis Ausführungen möchte ich ein paar eigene Gedanken und Erfahrungen hinzufügen.

Auch wenn ich nach außen hin meist ruhig wirke, bin ich ein ungeduldiger Mensch.

Wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe, möchte ich es am liebsten jetzt und sofort angehen und es gestern schon erledigt haben. Ich stolpere oft über meine eigenen Gedankengänge, möchte einen Text von hinten, von vorne und von der Mitte aus gleichzeitig tippen.

Dies macht es natürlich überaus schwierig, wenn weder die Konzentration dabei mitmacht, noch der Körper. Krankheit ist für mich daher oft vor allem eine unerbittliche Lehrmeisterin in Geduld.

Wenn du ebenfalls vom Absetzsyndrom betroffen bist, und in winzigen Schritten ein Medikament über Jahre reduzieren musst, kannst du das Wort Geduld wahrscheinlich auch kaum noch hören.

Auch schwere Erschöpfung und körperliche Einschränkungen zwingen uns, nicht nur ein wenig langsamer zu machen, sondern viele Tätigkeiten geradezu neu zu erlernen: Schritt für Schritt.

Ich hätte nie im Leben geglaubt, dass ich so geduldig sein kann – aber es geht.

Mich ständig aufzuregen, weil das Leben nicht mehr wie früher funktioniert, wird irgendwann einfach zu energieaufwändig. Geduldig mit mir selbst zu sein, auch bei einfachen Tätigkeiten, die ich eigentlich längst beherrsche, ist geradezu überlebensnotwendig geworden.

Toni schreibt, dass geduldig zu sein zu Gemütsruhe führt. Dies kann ich bestätigen. Ich rege mich über manches nicht mehr auf, was mich früher vielleicht noch tagelang beschäftigt hätte.

Ein großes Problem ist, dass ich immer wieder unter innerer Unruhe leide, die aktuell häufiger körperlich hervorgerufen wird, als mental: Meist sind nicht meine aktuellen Gedanken oder Gefühle Ursprung der Unruhe, sondern mein Nervensystem, das vom Grundlevel her schon zu aktiv ist, und dazu auf Nahrungsmittel und andere Reize reagiert.

Innere Unruhe, die mich manchmal kaum Stillsitzen lässt, fördert natürlich mein ungeduldiges Verhalten. Im Extrem nennt man diese quälende innere Körperunruhe „Akathisie“. Wenn du darunter leidest, wird es natürlich nicht einfach dadurch verschwinden, dass du deine Erwartungen an die Umgebung und andere Menschen überprüfst, und  in diesem Zustand Achtsamkeitsübungen durchzuführen ist schwer.

Aber ich habe dennoch die Erfahrung gemacht, dass es auch dann helfen kann, meine Gedanken und Gefühle anzuschauen, und zu versuchen, diese umzuwandeln – so, wie Toni es in ihrem Text beschreibt.

Denn die Dinge, die wir nicht kontrollieren können, innerlich nicht zu akzeptieren, ihnen die Schuld für unser Befinden zu geben, und mit Ungeduld zu reagieren, fördert das innere Angespanntsein nur noch mehr.

Ich muss es aber für mich mit dem Bewusstsein ergänzen, dass sich mein Körper, mein Nervensystem oft in einem überreizten Zustand befindet, der es umso schwerer macht, gelassen zu bleiben.

Dann wird es ein wenig einfacher,  „Störungen, Ärgernissen und Verzögerungen“ oder anderen Menschen nicht die Schuld für meinen aktuellen Gefühlszustand zu geben und entsprechend zu reagieren. Es wird leichter, mir mit Mitgefühl zu begegnen, auch wenn ich mich gerade schlecht auf achtsames Beobachten meiner Umgebung und meiner Gedanken einlassen kann.

Wenn ich innerlich wie unter Strom stehe, ist es erfahrungsgemäß für mich am besten einen Mittelweg zu finden, zwischen ruhiger Geduld und aktivem Handeln.

Zu versuchen, nur beobachtend und gelassen zu werden fördert dann manchmal nur den innerlichen Stress. Wenn es mir möglich ist, versuche ich dann zwar einerseits, meine Gedanken und Gefühle zu beobachten, und mich auf das Positive an der Situation zu konzentrieren. Andererseits versuche ich auch, soweit es geht, mich zwischendurch körperlich zu betätigen, um die unruhige Energie abzuleiten.

Zu Hause Musik anzumachen und ein wenig aufzuräumen klappt dann manchmal, oder, wenn möglich, anstatt nur im Wartezimmer zu sitzen, einen kurzen Spaziergang zu machen – oder auch nur kurz vor die Tür zu gehen und dabei die Luft zu genießen, einen Vogel oder ein Eichhörnchen zu beobachten oder Spaziergänger mit Hund oder Einkaufstüten.

Da ich nur selten einkaufen gehe, ist das zwar anstrengend, aber auch immer ein Erlebnis. An der Kasse beobachte ich gern, was die Menschen einkaufen – und überlege mir, wie ein so zubereitetes Essen wohl schmeckt oder mache beim Warten kleine Muskelübungen, die man von außen kaum sieht.

Wenn ich nicht aufstehen kann, hilft es mir auch, etwas anderes Produktives und Positives zu machen. Diesen Text, diese Übersetzungsarbeit schreibe ich gerade, da ich körperlich einerseits müde bin – aber innerlich zu unruhig, um mich ganz zu entspannen und auszuruhen.

Womöglich hilft dir dann auch Handarbeiten wie das Stricken eines einfachen Musters – etwas, für das ich wiederum definitiv meist zu ungeduldig bin.

Manchen empfinden auch Wärme oder Kälte erleichternd, um der Unruhe einen körperlichen Reiz entgegenzusetzen.

Ist die Anspannung sehr groß, kann manchmal sogenanntes neurogenes Zittern helfen – wir nutzen dabei einen ganz ursprünglichen Mechanismus, um überschüssige Energie aus dem Nervensystem loszuwerden. Mehr dazu kannst du in meinem Beitrag Innere Kraftquelle: Sei wie ein Tier lesen, dort findest du auch weiterführende Links.

Wichtig ist es für mich also, der Unruhe – und damit auch der Ungeduld, die für mich oft eng verbunden sind – nicht nur in Gedanken und Emotionen zu begegnen, sondern vor allem, mich auch mit meinem Körper zu verbinden. Meine Atmung zu beruhigen und zu vertiefen, und auch wenn ich mich auf etwas Äußeres konzentriere, immer wieder zu schauen ob ich mich anspanne, und Entspannung, soweit es geht, zu zulassen.

Es ist unser Körper, mit dem wir auf instinktiver Ebene unsere Umwelt wahrnehmen und beurteilen.

Nicht nur meine Bewertung von Situationen führen zu Ungeduld – sondern mein körperlicher Zustand, der Zustand meiner Nerven, meiner Muskeln und meiner Organe – beeinflusst auch umgekehrt meine Beurteilung einer Situation als unangenehm, neutral oder angenehm.

Für mich ist es daher sinnvoll, neben dem Beobachten meiner Gedanken und dem achtsamen Umgang damit, auch zu schauen wie es mir sonst gerade geht – ob ich meine Körperhaltung, oder meine Atmung ändern kann, ob ich mich strecken, bewusst entspannen und mitfühlende Energie in verschiedene Körperteile senden kann.

Manchmal ändert sich dann auch meine Wahrnehmung, und das Warten und die Langsamkeit erscheint nicht mehr ganz so unerträglich – oder sogar völlig in Ordnung.

Es wird für mich also ein wenig leichter, eine wohlwollende, entspanntere innere Haltung einzunehmen – die Ungeduld in Geduld zu verwandeln – wenn mein Körper das vormacht.

Welche Erfahrungen hast du mit der Ungeduld und dem Geduldig sein gemacht?

3 Gedanken zu “Ungeduldig? Wie und warum du Geduld üben solltest

  1. Hallo Elisa !

    Die Ungeduld !

    Die Ungeduld wenn du plötzlich mit Unterarmgehife-Stützen gehen musst wenn du ausnahmsweise weit weg bist, endlich.

    du bemerkt wie wenig du transportieren kannst,
    es gibt kein ‚mal eben‘ mehr
    wie das kurz frische Luft hinein lassen,
    Wasser holen,

    Die Strümpfe ‚mal eben kurz‘ durch das Wasser ziehen, aufhängen
    und so kleine Dinge.

    Es gibt kein ‚mal eben kurz‘

    Nun die Tirade: so ein Mist!

    Umgewandelt in: ein irres Glück hier schnell überhaupt Stützen zu bekommen!

    Ich brauche keinen OP-Eingriff
    Ich bin versorgt.

    Nein das sollte nicht passieren
    wenn man ‚dann schon mal eben‘ weit weg sein kann.

    Ein vernichtender Satz.

    Ich hätte mir den Schädel aufschlagen können.

    Die Betrachtung dessen, wie viel
    in was für kurzer Zeit erreicht wurde
    das es ist der zweiten Hälfte geschah
    erflacht meine Ungeduld die mich Gram machen könnte
    traurig ok kurz ja aber dann Schluss.

    Jämmerlich oh Gott !!
    begrüßten mich die anderen
    als ich so hinzu kam.

    Nein, kein Jammern, bitte.

    ( Sehr interessant übers Phänomen
    Jammern im Internet zu schauen, lohnenswert. )

    Ich war vor Jahren am Strand, weit weg
    plötzlich ebenfalls mit Stützen.
    Ich stand mit ihnen im Meer.

    Na und?
    Kein Problem.
    Problem ohne Stützen!

    Man hätte mich stützend in die Liegeposition
    rechts und links begleitend müssen.

    Natürlich habe ich Schmerzen
    liege fest und kühle.

    Ich verbiete, krallenartig greifende negative Gefühle in meine Nähe zu kommen
    so wie Leute mit oh Gott nein und das hier und jetzt. Wie gemein.
    Was ist da gemein.-

    Ich warte geduldig zu.

    Einen Schimpfer dann und wann
    ist ok und zieht vorüber.

    Kommt noch anderes dazu
    wird die Herausforderung der Geduldsübung groß.

    Aber wer fragt schon und wozu?
    Üben !

    Vielen Dank für dieses Thema!

    Vera

    1. Liebe Vera,

      die Ungeduld, wenn dann noch eine Einschränkung hinzu kommt und dann noch zu einem unpassenden Zeitpunkt (aber wann ist denn andererseits ein passender?) – das kenne ich auch gut. Das ist jedesmal wieder eine neue Gedulds-Übung. Danke für deine Nachricht – und baldige Besserung und Stützenfreiheit wünsche ich dir.

      Alles Liebe,
      Elisa

  2. Hallo Lebens-Trotz !

    Bin ich ohne Geduld, kommt es mir darauf an zu erkennen,
    in welcher Situation mir dieser Zustand widerfährt.

    Bin ich frei ungeduldig zu sein,
    bin ich ungeduldig,

    werde wütend rege mich auf, schimpfe und teile mich mit,
    währenddessen ein Großteil
    der Ungeduld vergeht.

    Wenn nicht, sage ich mir: genug;
    da zu lang anhaltende negative Gefühle eine Negativspirale eröffnen, die nach unten führt
    deren Zustand schädlicher ist,
    als mir ein Stopp aufzustellen.

    Tue ich dies nicht, gerate ich in eine ‚Jämmerlichkeit‘ – diesen erbärmlichen Gefühlszustand um meinetwillen unterbinde ich.

    Der Gelassenheitsspruch

    “ ……gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
    den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,

    und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden. ……“

    zu lassen

    Dieser Gelassenheitsspruch
    hängt vor einem Zimmer
    in der Größe eines Plakates.

    Manchmal war ich im so im Argen
    mit mir
    ich hätte ihn gern herunter gerissen.

    Er gibt mir Ruhe und Entspannung.

    Am schwierigsten ist es,
    die Geduld zu bewahren
    wenn es spät am Tage geworden ist und die Kraft nachlässt und
    ich ( der Meinung bin und die Erwartung zu hoch geschraubt habe ) nicht bis morgen aufschieben zu können oder delegieren zu wollen.

    Mit diesem eigenverantwortlichen Verhalten bin ich gegen mich gerichtet
    empfinde kein eigenes Wohlwollen.

    Ich kann jetzt entscheiden, da mir alles beginnt,aus den Händen entgleitet.

    Ich rede mit mir, beende diesen Kampf da meine Ressourcen grundsätzlich knapp sind.

    Ich erzähle, wie ungeduldig und ärgerlich mich was immer gemacht hat und setze dann einen Punkt.

    Vorallem und besonders, wenn ich mich nicht mitteilen kann
    teile ich mir dieses mit.

    Nur auf mich kann ich mich beziehen
    nur auf mich kann ich mich verlassen.

    Es ist das Einzige, mit sich ein gutes Team zu werden.
    Mitfühlend, freundlich diszipliniert.
    Endscheidend.

    Es geht nicht; alles fällt hin
    also lasse ich es bevor es das tut
    und gehe dahin
    wo es mir angenehmer ist.

    Muss ich stationär länger liegen
    gehe ich mit den Gedanken woanders hin.

    Ich muss dies immerfort trainieren
    auf Neue stetig, wie ein Fussball -Training. Täglich.
    Es gelingt mir unterschiedlich gut.

    Gelingt es nicht, beginne ich wie oben.

    Stehe ich in einer Schlange am Flughafen
    erlebe ich genug Ablenkungen um mich herum
    oder ich schalte ab gehe in mich
    und ruhe mich aus.

    Eine Wartezeit kann zu einer Ruhezeit werden.

    Im Laden an der Kassenschlange können witzige Gespräche entstehen, unverbindlich, kurz, nett.

    Manchmal geht man im Anschluss ein Stück gemeinsam weiter
    das war positive Warteschlange !

    Geht die Wartezeit über meine physischen Kräfte,
    unterbreche ich, bitte um einen Sitzplatz oder gehe.

    Ein anderes Mal.

    Es ist eine gründliche Organisation
    notwendig, wenn möglich das Nötigste vorsorglich angeschafft zu haben das fördert meine Geduld.

    Ungeduldig auf etwas oder jemanden zu warten
    tue ich eine kurze Zeit ungeduldig,
    im Anschluss bin ich wieder gelassen.

    Mag sein ich steh auf und gehe weg.

    Sich gut zu sein oder es zu werden
    bringt Geduld mit sich.

    Immer auf das Neue stellt sich dar
    das Leben gestaltet sich aus sich,
    aus uns heraus.

    Damit gelange ich dorthin
    wohin mein Ziel strebt,
    frei zu werden so wie dies möglich ist. –

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